FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG
Der Forschung und Entwicklung kommt bei Fresenius hohe Bedeutung zu. Wir entwickeln Produkte und Therapien für schwer und chronisch kranke Menschen. Die hohe Qualität ist Voraussetzung dafür, Patienten optimal zu versorgen, deren Lebensqualität zu erhöhen und damit auch die Lebenserwartung zu steigern. Als integraler Bestandteil unserer Unternehmensstrategie dient die Forschung und Entwicklung auch der wirtschaftlichen Entwicklung und dem Erfolg des Unternehmens.
DIALYSE
Fresenius Medical Care forscht und entwickelt im Bereich der Dialyse sowie weiterer extrakorporaler Blutbehandlungen. Dabei profitiert die Gesellschaft von ihrer vertikalen Integration, d.h. von der Verbindung von Dialyseprodukten und Dialysedienstleistungen. Die tägliche Erfahrung bei der Behandlung von rund 174.000 Patienten liefert wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung neuer Produkte und Therapien und kann somit erfolgreich genutzt werden. Darüber hinaus fördert dies die Entwicklung ganzheitlicher Therapien.
Hämodialyse
Im Jahr 2007 wurde der Body Composition Monitor (BCM) in den Markt eingeführt. Der BCM ist ein Gerät, mit dessen Hilfe sich die Körperzusammensetzung eines Dialysepatienten, d.h. Körperwasser, fettfreie Körpermasse und Fett, bestimmen lässt. Die genaue Kenntnis dieser Daten, insbesondere der Anteil des Körperwassers, ist eine wichtige Voraussetzung, um den Zustand von Dialysepatienten zu beurteilen und ihre therapeutische Betreuung festzulegen. Denn bei der Behandlung von Dialysepatienten gilt es, Überwässerungen und Unterwässerungen gleichermaßen zu vermeiden: Überwässerungen belasten und schädigen das Herz-Kreislaufsystem, Unterwässerungen führen häufig zu Komplikationen während der Dialysebehandlung, welche die ohnehin eingeschränkte Lebensqualität der Patienten weiter beeinträchtigen. Untersuchungen des gegenwärtigen Zustands zeigen übereinstimmend, dass eine ausreichend genaue Kenntnis dieser wichtigen Patientendaten in den meisten Fällen nicht gegeben ist. Wir haben mit dem BCM ein geeignetes, leicht bedienbares und kostengünstiges „State-of-the-Art“-Messgerät entwickelt. Am wichtigsten ist jedoch: Erstmals steht dem Anwender ein umfangreiches, klinisch validiertes Auswertungsprogramm für die erhobenen Daten zur Verfügung.
Auch das Jahr 2007 stand für die Entwicklungsabteilung zu einem großen Teil noch im Zeichen der Markteinführung des Hämodialysegeräts 5008. Unser Hauptaugenmerk liegt weiterhin auf der Zuverlässigkeit und dem Betriebsverhalten des Geräts im klinischen Einsatz und unter zunehmend variierenden Einsatzbedingungen im internationalen Bereich. Der Informationsrückfluss aus den eigenen Dialysekliniken und von Kunden wird bei der kontinuierlichen Produktverbesserung berücksichtigt.
Mit der Entwicklung der 5008 haben wir die Online-Hämodiafiltration (Online-HDF) von einem exklusiven Verfahren für wenige Anwender zu einem in der Gerätegrundausstattung erhältlichen Standard erhoben. Die für die Hämodiafiltration benötigte Flüssigkeit – sterile und pyrogenfreie Dialysierlösung – wird nun in der Maschine selbst bei laufendem Betrieb aus Standard-Bikarbonatdialysat hergestellt, daher auch die Bezeichnung „Online-HDF“. Ein Austausch von Flüssigkeitsbeuteln muss nicht mehr erfolgen. Diese konzeptionelle Entscheidung hat sich als richtig erwiesen: Eine wachsende Zahl klinischer Studien zu den Vorteilen der Hämodiafiltration zeigt, dass diese Anwendung für Patienten zu einem Rückgang der Mortalität von mehr als 30 - 35% führen kann.
Kaum eine andere einzelne Maßnahme in der Nierenersatztherapie hat einen so deutlichen Einfluss auf das Überleben der Patienten. Fresenius Medical Care sieht sich damit – als einer der ersten Anbieter von kommerziell erhältlichen Online-HDF-Geräten – in seiner langfristigen Innovations- und Produktentwicklungspolitik bestätigt.
Ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt im Jahr 2007 lag auf der Membrantechnologie. Alle Aktivitäten im Bereich der Hämodialyse hängen davon ab, ob die für ein bestimmtes Behandlungsverfahren oder für eine bestimmte Patientengruppe erforderlichen Dialysatoren und Membrantypen zur Verfügung stehen. Wir sind seit vielen Jahren mit den verschiedenen Varianten der Fresenius-Polysulfonmembran weltweit führend. Moderne Hohlfaserdialysatoren haben heute einen Grad an Effektivität und verfahrenstechnischer Sicherheit erreicht, der vor noch nicht allzu langer Zeit als kühne Vision galt. Trotz dieses bereits hohen Entwicklungsstands ist es möglich, Membranen und komplette Dialysatoren an spezielle, neue Therapievarianten anzupassen und ihre Wirksamkeit weiter zu verbessern. Das Wissen der Medizin um die biochemischen Ursachen der akuten und der chronischen Urämie (Harnstoffvergiftung) als Folge des Nierenversagens weist derzeit noch Lücken auf. Fortschritte, die in den vergangenen Jahren bei der Erforschung sogenannter urämischer Toxine erzielt wurden, lassen jedoch auf die Entwicklung von Membranen mit spezifischen Eigenschaften hoffen. Diese können gezielt ganz bestimmte Substanzen aus dem Blut des Patienten filtern.
Der in den Berichtszeitraum fallende Erwerb des US-Unternehmens Renal Solutions, Inc. (RSI) eröffnet auch in diesem Bereich Synergien zwischen den Entwicklungsabteilungen. RSI ist auf dem Gebiet der Dialysatregeneration mit Hilfe enzymbasierter Adsorbersysteme tätig. Die SORB-Technologie von RSI ermöglicht es, Leitungswasser für die Dialyse aufzubereiten und die Dialysierflüssigkeit wiederzuverwenden. Der SORB-Filter hat sich auf dem Hämodialysemarkt bewährt und wurde bereits sechs Millionen Mal verkauft. Für eine Dialysebehandlung werden nur noch sechs Liter Trinkwasser benötigt statt bislang etwa 120 Liter Reinstwasser aus Umkehrosmoseanlagen. Die raum- und wassersparende Technologie eignet sich deshalb besonders gut für die Heim-Hämodialyse. Diese Eigenschaften – zusätzlich zu ihrer ökologischen und finanziellen Bedeutung – erlauben es, die Hämodialysegeräte erheblich zu verkleinern. Der für uns langfristig interessante Aspekt dieser Technologie besteht darin, dass sie zusätzlich zu den selektiven Eigenschaften künftiger Hämodialysemembranen weiterführende Möglichkeiten einer gezielten Toxinentfernung aus dem Blut des Patienten erkennen lässt.
Des Weiteren arbeiten wir an Membranen, die verschiedene pharmazeutische Wirkstoffe in das Blut des Patienten abgeben können. Indem wir geeignete Liganden – spezielle Moleküle – auf ihrer Oberfläche anbringen, erreichen wir, dass diese Membranen bestimmte Eigenschaften annehmen. Die Arbeiten daran befinden sich noch in einem Stadium, in dem wir neben den Möglichkeiten der technischen Umsetzung auch ihren generellen medizinischen Ansatz prüfen müssen. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass sich die Membranen der Zukunft speziell durch diese besonderen funktionalen Eigenschaften auszeichnen werden.
Peritonealdialyse
Unser Produktportfolio in der Peritonealdialyse mit individuell angepassten und bioverträglichen Dialysierlösungen in toxikologisch und ökologisch unbedenklichen Verpackungssystemen umfasst traditionell ein breites Spektrum für alle Anwendungsfälle. Damit sind wir ausgezeichnet positioniert. Außerdem verfügen wir über leistungsfähige Geräte für die automatische Peritonealdialyse (APD) – sogenannte „Cycler“. Die Entwicklungsabteilung verfolgt derzeit mit ihrer Arbeit an einem Global Cycler das Ziel, hochwertige APD zu optimierten Kosten weltweit anbieten zu können. Die gemeinsame technische Plattform des Global Cyclers ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.
Die extrakorporale Behandlung von Blut ist eine der Kernkompetenzen von Fresenius Medical Care. Neben der breiten Anwendung im Bereich der chronischen Hämodialyse ist diese Technik für die Behandlung des akuten Nierenversagens, des Leberversagens, der Sepsis und des Multiorganversagens von grundlegender Bedeutung. Aus diesem Grund beschäftigt sich Fresenius Medical Care seit vielen Jahren mit der Entwicklung von Verfahren, Geräten und Einmalartikeln für die Behandlung solcher Erkrankungen. Wir sehen unsere primäre Aufgabe darin, Geräte und Verfahren zu entwickeln, die dazu beitragen, die derzeit immer noch dramatisch hohen Sterblichkeitsraten dieser Erkrankungen zu reduzieren.Für die Behandlung von Leberversagen gibt es bereits vielversprechende Ansätze, die komplexe Leberfunktion durch lebende Zellen in einem extrakorporalen System nachbilden zu lassen. Die Herausforderungen liegen hierbei eher in der Verfügbarkeit von lebenden Zellen in geeigneter Qualität und Menge und weniger in der Entwicklung der extrakorporalen Systeme. Aus diesem Grund fokussieren wir unsere Entwicklungsaktivitäten derzeit auf den Bereich der Zellgewinnung mittels geeigneter Stammzelltechniken. Dabei arbeiten wir ausschließlich mit adulten Stammzellen. Diese Arbeiten werden in enger Kooperation mit international anerkannten akademischen Einrichtungen durchgeführt.
INFUSIONSTHERAPIEN UND KLINISCHE ERNÄHRUNG
Fresenius Kabi forscht und entwickelt im Bereich von Infusionstherapien und klinischer Ernährung. Unsere Entwicklungskompetenz umfasst alle relevanten Produktkomponenten: das Primärbehältnis, die pharmazeutische Lösung zur Infusionstherapie und klinischen Ernährung, das medizintechnische Produkt zur Applikation sowie die Herstellungstechnologie.
Die Forschungs- und Entwicklungsstrategie hat zwei Eckpfeiler:
- Entwicklung innovativer Produkte in den Produktbereichen, in denen wir eine führende Position einnehmen, wie bei den Blutvolumenersatzstoffen und in der klinischen Ernährung.
- Kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Pharmazeutika und medizintechnischen Produkte.
Damit leisten wir einen wesentlichen Beitrag, den medizinischen Fortschritt in der Therapie von kritisch und chronisch kranken Patienten voranzutreiben und gleichzeitig die Lebensqualität dieser Patienten zu verbessern.
Infusionstherapie
Der Einsatz von Blutvolumenersatzstoffen in der Notfall- und Intensivmedizin ist seit Jahrzehnten ein Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt von Fresenius Kabi. Unsere Volumenersatzmittel enthalten Hydroxyethylstärke (HES) auf Basis von Wachsmaisstärke. HES-Moleküle binden das Wasser im Blutgefäß und sorgen so dafür, dass das Plasma-Volumen im Gefäß erhalten bleibt und die Flüssigkeit nicht schnell in die umgebenden Zellen und das Gewebe übertritt.
Im Berichtsjahr haben wir die Entwicklung einer neuen Blutvolumenersatzlösung erfolgreich abgeschlossen und das Produkt in der Schweiz als erstem Land eingeführt. Insbesondere während einer Operation oder auf der Intensivstation kann bei einem Patienten ein großer Bedarf an Blutvolumenersatzstoffen entstehen. Das neue Produkt ist in seiner Elektroytzusammensetzung dem Blutplasma angepasst. Eine Chloridbelastung wird dadurch verringert und damit auch das Auftreten einer Übersäuerung des Körpers.
Im Rahmen unserer klinischen Forschungsaktivitäten zur Blutvolumentherapie haben wir außerdem im Berichtsjahr eine doppelblinde, kontrollierte multizentrische Studie mit unserem Produkt Voluven® 6% bei Sepsispatienten gestartet. Schließlich haben wir im Dezember 2007 von der US-Arzneimittelzulassungsbehörde FDA für Voluven® 6% die Zulassung erhalten.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die HESylation-Technologie. Diese Technologieplattform ermöglicht die Kopplung eines pharmazeutischen Wirkstoffs an spezifische Hydroxyethylstärke-Moleküle. Dadurch wird das Profil von Arzneimitteln entscheidend verändert. Die resultierenden Kopplungsprodukte zeigen in der Regel eine Verlängerung der Wirkungsdauer sowie eine Verbesserung des Sicherheitsprofils gegenüber dem unveränderten Arzneimittel. Um das Potenzial dieser Technologie weiter zu erschließen, arbeiten wir in Partnerschaften mit Pharma-Unternehmen zusammen.
Im Bereich der intravenös verabreichten generischen Arzneimittel (I.V.-Arzneimittel) konzentrieren wir uns auf Anti-Infektiva, Anästhetika, Analgetika sowie Arzneimittel, die bei onkologischen Erkrankungen eingesetzt werden. In unserem Entwicklungsportfolio verfügen wir über ein umfassendes Sortiment an Wirkstoffen, das in den kommenden Jahren die Marktreife erlangen wird. Hierfür arbeiten wir an den Registrierungsdossiers, um die europäische und außereuropäische Zulassung zu erhalten.
Im Berichtsjahr haben wir die Zulassungsunterlagen für sechs I.V.-Arzneimittel bei den zuständigen Behörden eingereicht und gehen davon aus, dass wir diese Produkte im Jahr 2008 im Markt einführen können. So planen wir z.B. die Einführung von Antibiotika, die bei besonders schweren Infektionen eingesetzt werden können.
Des Weiteren haben wir die Internationalisierung jener I.V.-Arzneimittel vorangetrieben, die wir im Rahmen der Filaxis-Akquisition übernommen haben. Hierbei handelt es sich um Zytostatika, die bei onkologischen Erkrankungen eingesetzt werden. Die Zulassungsunterlagen für das erste Produkt haben wir im Jahr 2007 bei den zuständigen Behörden eingereicht.
Unser Produktionsstandort Campo de Besteiros in Portugal ist aufgrund seines Technologiegrades und seiner Herstellungskapazität unser Produktions-Kompetenzzentrum für I.V.-Arzneimittel. Um die Produktionskapazität auszubauen, haben wir dort einen weiteren hochsterilen Bereich zur Herstellung von Antibiotika in Betrieb genommen.
Klinische Ernährung
Im Bereich der parenteralen Ernährung konzentrieren wir uns auf die Entwicklung von innovativen Pharmazeutika, die eine hohe therapeutische Wirkung in der Versorgung von kritisch und chronisch kranken Patienten haben. Ausreichende Energie und eine geeignete Nährstoffkombination sind unverzichtbar für die Erhaltung der Körpermasse und u.a. wichtig für die Immunabwehr, die Aufrechterhaltung oder Verbesserung von Organfunktionen und eine rasche Wundheilung. Für die parenterale Ernährung bieten wir Nährstoff-Einzelkomponenten sowie Nährstoff-Kombinationen in 2- und 3-Kammerbeuteln an.
Insbesondere für die parenterale Ernährungstherapie von Intensivpatienten wird unser Produkt SMOFlipid® eingesetzt. Die hohe therapeutische Relevanz von SMOFlipid® in der parenteralen Ernährung sehen wir auch in der Behandlung kritisch kranker Kinder. Im Berichtsjahr haben wir daher eine weitere klinische Studie zur Anwendung dieses Produkts in der Kinderheilkunde erfolgreich durchgeführt und werden die Zulassungsunterlagen zur Anwendung in der Pädiatrie einreichen.
Bislang haben wir SMOFlipid® als Einzelprodukt angeboten. Im Berichtsjahr haben wir die Zulassung für SMOFlipid® als Lipidkomponente in unserem 3-Kammerbeutel für Schweden erhalten. Die Markteinführung in weiteren Ländern ist vorgesehen.
Umfangreiche Studiendaten belegen die positive Wirkung der Aminosäure Glutamin auf den Stoffwechsel und die Immunkompetenz. Unser Produkt Dipeptiven® ist ein Konzentrat des Dipeptides Alanyl-Glutamin, das jedem parenteralen Ernährungsregime unter Beachtung der Kompatibilität zugemischt werden kann. Die Aminosäure Glutamin ist konditionell-essentiell, d.h. für Gesunde entbehrlich, aber für Schwerkranke bei kataboler Stoffwechsellage, z.B. nach Trauma, Operation oder mit Sepsis, essentiell. Glutamin wird bei diesen Patienten in großen Mengen von Darm- und Immunzellen als Energie- und Stickstoffquelle benötigt und dient der Aufrechterhaltung der Struktur und Funktion des Darms. Bei fehlender Glutaminzufuhr kommt es bei diesen Patienten zu einem Glutaminmangel, der zu Funktionseinschränkungen führt. Im Berichtsjahr haben wir die Unterstützung einer klinischen Studie mit Dipeptiven® weiter fortgeführt. Ziel ist es, den klinisch-therapeutischen Vorteil für Patienten bei Zufuhr hoher Dosen glutaminhaltiger Dipeptide nachzuweisen.
Bei der Entwicklung von enteralen Ernährungsprodukten legen wir einen umfassenden Kriterienkatalog an: Berücksichtigt werden die Erkrankung des Patienten, der Ernährungszustand, die voraussichtliche Dauer sowie das Alter des Patienten. Daraus ergibt sich die Zusammensetzung, die optimale Menge und der beste Zufuhrweg – Trink- oder Sondennahrung. Bei der enteralen Trinknahrung achten wir nicht nur auf die am Bedarf ausgerichtete Zusammensetzung, sondern besonders auch auf den Geschmack des Produkts. Vor allem für jene Patienten, die über einen längeren Zeitraum enterale Trinknahrungen zu sich nehmen, ist eine große Sorten- und Geschmacksvielfalt wichtig, um die sogenannte Geschmacksermüdung zu verhindern.
Im Berichtsjahr haben wir daher intensiv an der Weiterentwicklung unserer Trinknahrungen gearbeitet. Unsere Produktlinien Fresubin® energy DRINK und Fresubin® energy fibre DRINK sind zur ergänzenden und ausschließlichen Ernährung geeignet. Sie sind mit 1,5 Kilokalorien pro Milliliter besonders kalorienreich. Sie zeichnen sich durch eine hohe Nährstoffdichte aus und stellen bereits mit drei Tetra-Briks pro Tag die ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen sicher. Um insbesondere chronisch kranken Patienten wohlschmeckende Trinknahrungen und gleichzeitig mehr Abwechslung in der Produktauswahl zu bieten, haben wir Fresubin® energy DRINK und Fresubin® energy fibre DRINK im Geschmack weiter optimiert und das Angebot um zusätzliche neue Geschmacksvarianten erweitert.
Für Patienten in der Rekonvaleszenz und mit einer indizierten Mangelernährung, die einen erhöhten Energie- und Proteinbedarf oder eine Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr aufweisen, haben wir im Berichtsjahr an einer weiteren Variante unseres Trinknahrungsprogramms Fresubin® gearbeitet. Das neue Produkt Fresubin® 2kcal Drink ist eine Trinknahrung mit hoher Energiedichte (400 kcal pro Tetra-Brik), hohem Eiweißgehalt (10 g/100 ml) und ausgezeichnetem Geschmack. Das Produkt wird im Jahr 2008 international eingeführt. Fresubin® 2kcal DRINK gibt es sowohl mit prebiotischen Ballaststoffen als auch ohne Ballaststoffe. Für viele Patienten ist die hohe Nährstoffdichte auch insofern von großer Bedeutung, als schon ein sehr kleines Trinkvolumen von nur 200-400 ml eine ausgewogene Versorgung sichern kann. Darüber hinaus nehmen bei geringem Volumen die Patienten viel eher zuverlässig die nötige Nährstoffmenge auf.
Im Rahmen unserer klinischen Forschungsaktivitäten haben wir die multizentrische Studie zu Diben erfolgreich abgeschlossen. Diben ist eine Sondennahrung, die die Diabetes-Einstellung des Patienten unter enteraler Langzeiternährung verbessert. Die Studienergebnisse haben die hohe ernährungstherapeutische Wirkung dieses Produkts bei Patienten mit Diabetes und einer Indikation zur Langzeitsondenernährung, wie z.B. nach einem Schlaganfall mit anhaltender Schlucklähmung, bestätigt. Die Studie zeigte bei erniedrigtem Insulinbedarf eine signifikant bessere Blutzuckereinstellung. Dies deutet darauf hin, dass Diben die Gefahr lebensbedrohlicher Unterzuckerungen verringern kann.
Für Patienten mit Schluckstörungen haben wir im Berichtsjahr die Entwicklung eines neuen enteralen Produktsortiments gestartet. Schlucken ist für den gesunden Menschen ein selbstverständlicher und unbewusster Vorgang. Erst wenn durch eine eingeschränkte oder fehlende Koordination der Mund- und Rachenmuskulatur dieser Schluckprozess erschwert wird, tritt er in unser Bewusstsein. Die sogenannte Dysphagie bezeichnet die Schwierigkeit, den Schluckvorgang zu kontrollieren, was vielfältige Ursachen haben kann: z.B. Schlaganfall, Krebserkrankungen, neurologische Erkrankungen und Morbus Parkinson. Bei schluckgestörten Patienten ist der Schluckreflex verzögert oder ganz ausgeschaltet. Gelangen aufgrund einer unzureichenden Muskelkoordination feste oder flüssige Bestandteile in die Atemwege statt in die Speiseröhre, so liegt eine Aspiration vor. Bleibt eine Aspiration unerkannt, besteht ein erhöhtes Risiko für eine Lungenentzündung. Dysphagiepatienten meiden – oft aus Angst vor dem (Ver)Schlucken und nicht selten unbewusst – ihre Mahlzeiten und eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. Einer daraus resultierenden Mangelernährung und Austrocknung lässt sich mit einem speziell auf diese Patientenzielgruppe abgestimmten Produktprogramm wirksam entgegentreten.
In unserem Kompetenzzentrum für Verpackungstechnologie in Friedberg, Deutschland, haben wir im Berichtsjahr an einem neuen Behältnis für enterale Trinknahrungen gearbeitet. Ziel ist es, durch ein neues Verpackungskonzept die Entnahme der Flüssigkeit und damit die Benutzerfreundlichkeit für den Anwender weiter zu optimieren.
ANTIKÖRPERTHERAPIEN
Fresenius Biotech entwickelt innovative Therapien mit trifunktionalen Antikörpern zur Behandlung von Krebs. Mit ATG-Fresenius S, einem polyklonalen Antikörper, verfügt Fresenius Biotech über ein seit vielen Jahren erfolgreich eingesetztes Immunsuppressivum, mit dem sich die Abstoßung von transplantierten Organen vermeiden und behandeln lässt.
Trifunktionale Antikörper
Im Jahr 2007 wurden die Ergebnisse der Phase-II/III-Zulassungsstudie zum trifunktionalen Antikörper Removab® (INN-Bezeichnung: catumaxomab) bei malignem Aszites veröffentlicht. Sie zeigen eine deutliche Überlegenheit von Removab® gegenüber der Standardtherapie in primären sowie in sekundären Endpunkten. In der Studie wurden 258 Patienten, die aufgrund verschiedener epithelialer Tumore, z.B. Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) oder Magenkrebs (Magenkarzinom) einen malignen Aszites entwickelt hatten, eingeschlossen und mit Removab® oder in der Kontrollgruppe ausschließlich durch Punktionen der Bauchhöhle behandelt. Primärer Endpunkt der Studie war das mediane punktionsfreie Überleben, also die Zeit bis zur ersten notwendigen Punktion oder dem Tod. Dieser Zeitraum konnte durch Removab® im Vergleich zur Standardbehandlung um mehr als das Vierfache verlängert werden (46 gegenüber 11 Tagen). Auch im sekundären Endpunkt – punktionsfreie Zeit – erwies sich die Behandlung mit Removab® mit 77 gegenüber 13 Tagen in der Kontrollgruppe als deutlich überlegen.
Weitere Ergebnisse in den sekundären Endpunkten der Studie weisen auf eine direkte Wirkung des trifunktionalen Antikörpers gegen die zugrunde liegenden Tumore hin. So betrug die mediane Zeit bis zum Fortschreiten der Tumorerkrankung unter Removab® 111 Tage, verglichen mit 35 Tagen in der Kontrollgruppe, ein gleichfalls bedeutendes Ergebnis für die Wirksamkeit. Hinsichtlich des Gesamtüberlebens ergab sich ein positiver Trend. Das Sicherheitsprofil von Removab® in der Studie erwies sich als gut.
Die Ergebnisse der Studie wurden im Jahr 2007 auf den Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago und auf dem Kongress der European CanCer Organisation (ECCO) in Barcelona vorgestellt.
Angesichts der statistisch signifikanten Ergebnisse der Phase-II/III-Studie beantragte Fresenius Biotech Ende 2007 bei der EMEA die Zulassung von Removab® für die intraperitoneale Behandlung von malignem Aszites in Folge epithelialer Tumore, bei denen Standardtherapien nicht verfügbar sind oder nicht mehr angewendet werden können. Der Antrag enthält neben den Ergebnissen der Zulassungsstudie auch Daten aus präklinischen Untersuchungen sowie Angaben zur Produktion und Qualität des Produkts.
Parallel zum Zulassungsprozess hat Fresenius Biotech mit den Vorbereitungen zur Vermarktung von Removab® in Europa begonnen. Fresenius Biotech ist darüber hinaus derzeit im Begriff, Removab® potenziellen Entwicklungs- und Vermarktungspartnern für die Vereinigten Staaten und Japan anzubieten.
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Removab® in der Indikation maligner Aszites wird zur Zeit auch in einer US-amerikanischen Phase-II-Studie bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom geprüft. Die Ziele der Studie entsprechen im Wesentlichen denen der erfolgreichen europäischen Zulassungsstudie.
Zur Wirksamkeit und Sicherheit von Removab® beim fortgeschrittenen Magenkarzinom wurden zwei Phase-II-Studien aufgelegt, von denen eine mittlerweile abgeschlossen ist. In dieser europäischen Studie wurden Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit der intraperitonealen Gabe des trifunktionalen Antikörpers während und nach der chirurgischen Entfernung des Tumors mit einer alleinigen Operation verglichen.
Zwei Phase-II-Studien – in den USA und in Europa – untersuchen die Wirksamkeit und Sicherheit von Removab® beim Ovarialkarzinom. In der US-Studie werden Patientinnen, die auf eine platinhaltige Standard-Chemotherapie nicht mehr ansprachen und denen daher keine weitere Therapieoption verblieb, mit Removab® behandelt. Die europäische Studie untersucht, ob eine frühzeitige Therapie mit Removab® gut verträglich ist und einen Effekt auf das Wiederauftreten des Tumors hat.
Das Entwicklungsprogramm des Antikörpers Rexomun® (INN-Bezeichnung: ertumaxomab) wird wie geplant mit Phase-II-Studien bei fortgeschrittenem Brustkrebs fortgeführt. Zwei europäische Studien untersuchen die Wirkung von Rexomun® bei Patientinnen, die nach Versagen einer Hormontherapie nicht für andere Antikörpertherapien geeignet sind und für die es keine Standardtherapie gibt.
Weitere Informationen zu den klinischen Studien finden Sie auf unserer Website unter: http://www.fresenius.de/Fresenius Biotech.
Immunsuppressivum ATG-Fresenius S
Auf dem Gebiet der polyklonalen Antikörper betrugen wie auch im Jahr 2006 die Umsätze mit ATG-Fresenius S rund 19 Mio €. Die klinische Entwicklung wurde für weitere Indikationen und zum Vertrieb in neuen Märkten vorangetrieben: Ein wichtiges Projekt ist die klinische Studie für den Einsatz von ATG-Fresenius S in der Stammzelltransplantation. Die Studie untersucht die Wirkung von ATG-Fresenius S auf die Prophylaxe der akuten Graft-versus-Host-Disease: Die Standardtherapie, d.h. die Verabreichung von Cyclosporin A und Methothrexat, wird gegen die Standardtherapie mit zusätzlicher Gabe von ATG-Fresenius S verglichen. Die Rekrutierung von Patienten wurde im 1. Quartal 2007 abgeschlossen. Zwei Zwischenauswertungen haben die Sicherheit von ATG-Fresenius S in der gewählten Dosierung in der beobachteten Patientengruppe bestätigt. Der Abschlussbericht wird – wenn die zweijährige Nachbeobachtungszeit zu Ende ist – im Jahr 2009 vorliegen.
In unserem Entwicklungsprogramm für die USA haben wir eine laufende Studie mit ATG-Fresenius S in der Lungentransplantation von unserem ehemaligen Kooperationspartner Nabi Biopharmaceuticals Ende 2007 übernommen. Die Studie vergleicht die Wirkungen von zwei verschiedenen ATG-Dosierungen und eines Placebos (doppelt-verblindet und placebo-kontrolliert) auf die Organabstoßungs- und Todesfallrate bei Patienten sechs Monate nach der Transplantation.
Finanzdaten zum Thema Forschung und Entwicklung finden Sie im Lagebericht.