ÜBERBLICK ÜBER DEN GESCHÄFTSVERLAUF
Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen
Der starke, seit dem Jahr 2004 anhaltende Aufschwung der Weltwirtschaft kühlte im Laufe des Jahres 2007 leicht ab. Ausgangspunkt dafür war die in der zweiten Jahreshälfte einsetzende Finanzmarktkrise in den USA, die durch Zahlungsausfälle im Subprime-Bereich für US-amerikanische Hypothekendarlehen ausgelöst wurde. Dies führte in der Folge zu Liquiditätsengpässen auf den internationalen Finanzmärkten und temporär zu erheblichen Kursverlusten auf den Aktienmärkten.
Das globale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) war geringfügig schwächer als im Vorjahr und lag bei 5,2% (2006: 5,4%). Dabei hat das Gewicht der Schwellenländer wie China, Indien und Russland in den letzten Jahren zugenommen, während die Bedeutung der beiden größten Wirtschaftsräume, USA und Japan, abgenommen hat. Getragen wurde das weltweite Wachstum hauptsächlich von der anhaltend kräftigen Nachfrage aus den Schwellenländern.
Der Ölpreis stieg im Jahr 2007 kräftig an und erreichte neue Höchstwerte bei fast 100 US$ je Barrel. Der Euro stieg gegenüber dem US-Dollar aufgrund der guten konjunkturellen Entwicklung im Euroraum und der Erwartung weiterer Leitzinsanhebungen durch die Europäische Zentralbank.
| ANTEIL FÜHRENDER WIRTSCHAFTSNATIONEN AM WELTWEITEN BIP |
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| 2007 | 2000 | 2007 | 2000 |
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| in Mrd US$ | Anteil in % | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| USA | 13.794 | 9.817 | 25,8 | 30,9 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Japan | 4.346 | 4.669 | 8,1 | 14,7 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Deutschland | 3.259 | 1.906 | 6,1 | 6,0 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| China | 3.249 | 1.199 | 6,1 | 3,8 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Indien | 1.090 | 462 | 2,0 |
1,5 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Russland | 1.224 | 260 | 2,3 | 0,8 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
-
Europa
Die konjunkturelle Entwicklung im Euroraum war im Jahr 2007 bei einem Wachstum des BIPs von 2,6% erneut robust (2006: 2,8%). Hohe Zuwachsraten von über 3,0% konnten Irland (4,5 %), Finnland (4,3%), Griechenland (4,0%), Spanien (3,8%) und Österreich (3,3%) verzeichnen. Die gute konjunkturelle Entwicklung in Deutschland trug maßgeblich zur wirtschaftlichen Expansion des Euroraums bei. In Frankreich (1,9 %), Italien (1,8%) und Portugal (1,8%) war die Entwicklung verhaltener. Bedingt durch die kräftige Expansion der Weltwirtschaft nahmen die Exportgeschäfte trotz des hohen Eurowerts in fast allen Mitgliedsländern deutlich zu. Auch die Unternehmensinvestitionen waren eine wichtige Stütze der konjunkturellen Dynamik im Euroraum. Der private Verbrauch war lebhaft, bedingt durch einen eindrucksvollen Rückgang der Arbeitslosigkeit in diesem und den beiden vorangegangenen Jahren. Die Situation der öffentlichen Haushalte verbesserte sich dank der guten konjunkturellen Entwicklung und führte dazu, dass der Ecofin-Rat (Economic and Financial Affairs Council) die laufenden Defizitverfahren gegen Deutschland, Griechenland und Malta einstellte.
Deutschland verzeichnete erneut eine erfreuliche konjunkturelle Entwicklung mit einer Zuwachsrate des BIPs von 2,6% (2006: 2,9%). Dabei musste das Land im Jahr 2007 die stärkste Erhöhung der Mehrwertsteuer seit ihrer Einführung im Jahr 1968 verkraften. Die verbesserte Einkommensentwicklung und die positive Entwicklung der Lage auf dem Arbeitsmarkt führten dazu, dass der private Konsum trotzdem nur knapp unter dem Vorjahresniveau lag. Der Export war auch im Jahr 2007 der Motor der Konjunktur. Die verringerte Nachfrage aus den USA bedingt durch die US-Hypothekenkrise konnte durch das starke Exportgeschäft in die asiatischen sowie mittel- und osteuropäischen Absatzmärkte mehr als kompensiert werden. Die Geschäftslage im Jahr 2007 wurde von den deutschen Unternehmen nach wie vor positiv beurteilt; sie reflektiert die hohe Ertragskraft und gesunde wirtschaftliche Verfassung der deutschen Unternehmen.
Die osteuropäischen Mitgliedstaaten der Europäischen Union verzeichneten erneut ein starkes Wachstum. Den größten BIP-Zuwachs erzielte Lettland mit 10,5% (2006: 11,9 %), gefolgt von Estland mit 8,5% (2006: 11,2%) und der Slowakei mit 9,0% (2006: 8,5%).
- USA
Die wirtschaftliche Lage in den USA kühlte im Jahr 2007 ab. Nach einem verhaltenen Jahresbeginn war die Stimmung noch optimistisch, da mit einem Ende der Krise im privaten Wohnungsbau gerechnet wurde. Diese Erwartung erfüllte sich jedoch nicht, denn steigende Zinsen und fallende Immobilienpreise führten im weiteren Verlauf des Jahres zur Krise am Hypothekenmarkt. Daneben dämpften hohe Energiepreise die wirtschaftliche Dynamik. Für das BIP ergab sich eine Zuwachsrate von 2,2% – deutlich unter dem vom IWF geschätzten Wachstum von knapp 3,0%. Die privaten Konsumausgaben blieben trotz der gesunkenen Konsumneigung der Verbraucher die wichtigste Stütze der Konjunktur. Insgesamt zeigte sich die Binnennachfrage moderat. Der Export weitete sich aus, gestützt von der schwachen Notierung des US-Dollars. Der Fokus der Geldpolitik lag in der zweiten Hälfte des Jahres darauf, das Finanzsystem zu stabilisieren und führte angesichts der Unsicherheiten dazu, dass die Federal Reserve den Leitzins im Jahr 2007 von 5,25% auf 4,25% senkte. Im Jahr 2008 sind weitere Zinssenkungen auf derzeit 3,0% erfolgt.
-
Asien
Asien (ohne Japan) ist mit einem BIP-Wachstum von 9,5% erneut die wachstumsstärkste Region der Welt (2006: 9,3%). Die kräftige wirtschaftliche Entwicklung in China zeigt sich an der Zuwachsrate des BIP von 11,4%. Diese lag zum fünften Mal in Folge über 10%. Wichtigste Antriebskräfte waren die Anlageinvestitionen und der private Konsum. Wesentliche Wachstumsstütze war erneut der Export. In Indien betrug die Zuwachsrate des BIPs 9,0%. Triebfeder der guten Entwicklung waren die Investitionsgüterindustrie sowie die Informationstechnologie und -verarbeitung. Die Entwicklung der japanischen Wirtschaft verlor im Jahr 2007 an Fahrt.
Trotz der Abwertung des Yen und einer starken Weltkonjunktur ist es der japanischen Wirtschaft nicht gelungen, sich endgültig aus einer nahezu deflationären Situation zu befreien. Das japanische BIP-Wachstum verringerte sich auf 1,6% (2006: 2,2 %). Die Schwellenländer Südostasiens nutzten die günstigen Exportbedingungen und setzten ihre wirtschaftliche Expansion fort. Dabei zeigten sie sich gegenüber der internationalen Finanzmarktkrise relativ robust.
- Lateinamerika
Der wirtschaftliche Aufschwung der Länder Lateinamerikas setzte sich weiter fort. Das BIP blieb mit einem Zuwachs von 5,0% weiter robust (2006: 5,2%). Gedämpft wurde das Wachstum, vor allem in Mexiko, durch den konjunkturellen Abschwung in den USA. Im Jahr 2007 konnten die rohstoff- und lebensmittelexportierenden Länder der Region von der ungebrochen hohen Nachfrage erneut profitieren, trotz des hohen Preisniveaus. Die Steigerung des BIP lag in Argentinien bei 8,1% (2006: 8,5%), in Brasilien bei 5,3% (2006: 3,8%) und in Mexiko bei 3,1% (2006: 4,8%). Bedeutendste Antriebskräfte der Wirtschaft waren die Exporte. In Brasilien trugen die Investitionen substanziell zur positiven wirtschaftlichen Entwicklung bei. Argentinien verzeichnete im Präsidentschaftswahljahr einen hohen Staatsverbrauch. In beiden Ländern blieb der private Konsum lebhaft.
Branchenspezifische Rahmenbedingungen
Der Gesundheitssektor zählt zu den weltweit bedeutendsten Wirtschaftszweigen. Von konjunkturellen Schwankungen weitgehend unabhängig, weist der Markt für gesundheitsbezogene Produkte und Leistungen seit vielen Jahren ein stetiges Wachstum auf. Dessen stärkste Triebkräfte sind in den entwickelten Ländern der demographische Wandel, die stetige Nachfrage nach neuen Therapieformen und der medizintechnische Fortschritt. Auch das zunehmende Gesundheitsbewusstsein führt zu einem steigenden Bedarf an Gesundheitsleistungen und -einrichtungen. In den Schwellenländern dagegen ergibt sich das Wachstum vor allem aus den stetig zunehmenden Zugangsmöglichkeiten zu medizinischer Grundversorgung.
Gleichzeitig wächst der Anteil der Gesundheitskosten am Volkseinkommen. So erhöhten sich in den OECD-Ländern die durchschnittlichen Gesundheitsausgaben pro Kopf zwischen 1990 und 2005 um über 80%. Das BIP wuchs im gleichen Zeitraum um 37%. Jedes vierte OECD-Land wendet heute mehr als 10% seines BIP für Gesundheit auf. Die höchsten Anteile wiesen im Jahr 2005 die USA auf, gefolgt von der Schweiz, Frankreich und Deutschland.
Um den stetig steigenden Ausgaben zu begegnen, greifen die Staaten zu Reformen im Gesundheitswesen und zu Kostendämpfungsmaßnahmen. In der Vergangenheit standen dabei zumeist kurzfristige Veränderungen in der Finanzierung medizinischer Leistungen im Vordergrund. Zunehmend werden überholte Versorgungsstrukturen auf den Prüfstand gestellt und marktwirtschaftliche Elemente in das Gesundheitswesen eingeführt. Ziel ist es, neue Anreize für kosten- und qualitätsbewusstes Handeln zu schaffen. Die Qualität der Behandlung trägt entscheidend dazu bei, dass medizinische Resultate optimiert und die Behandlungskosten insgesamt reduziert werden können. Vor diesem Hintergrund gewinnen auch Gesundheitsprogramme zur Prophylaxe an Bedeutung ebenso wie innovative Vergütungsmodelle, in denen die Qualität der Behandlung den zentralen Bezugswert darstellt.
| GESUNDHEITSAUSGABEN IM VERHÄLTNIS ZUM BIP | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| in % | 1970 | 1980 | 1990 | 2000 | 2005 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| USA | 7,0 | 8,8 | 11,9 | 13,2 | 15,3 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Schweiz | 5,5 | 7,4 | 8,3 | 10,4 | 11,6 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Frankreich | 5,4 | 7,0 | 8,4 | 9,6 | 11,1 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Deutschland | 6,0 | 8,4 | 8,3 | 10,3 | 10,7 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Im Folgenden werden die Entwicklungen in unseren wichtigsten Märkten näher erläutert:
- Der Dialysemarkt
Der globale Dialysemarkt wuchs im Jahr 2007 um rund 5% auf ein Volumen von etwa 58 Mrd US$. Davon entfielen rund 45 Mrd US$ auf Dialysedienstleistungen und circa 9,5 Mrd US$ auf Dialyseprodukte. Die Ursachen für Nierenversagen sind vielfältig: Meist gehen Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck einem terminalen Nierenversagen voraus. Daneben sind das zunehmende Durchschnittsalter, bessere Behandlungsmöglichkeiten und höhere Lebensstandards in den Entwicklungsländern Gründe für das Ansteigen der Patientenzahlen.
Patienten mit terminalem Nierenversagen erhalten in mehr als 140 Ländern eine Nierenersatztherapie in Form einer Dialyse oder Transplantation. Die Prävalenz ist regional sehr unterschiedlich. Die überwiegende Mehrheit der Patienten (95%) wird in nur 60 Ländern behandelt. Betrachtet man diese 60 Länder nach ihrer Wirtschaftskraft, dem Bruttosozialprodukt pro Kopf, so lassen sie sich in drei Kategorien einteilen: Die 20 wirtschaftlich leistungsfähigsten Staaten, zu denen auch die zwei größten Dialysemärkte – die USA und Japan – zählen, weisen eine durchschnittliche Prävalenz von deutlich mehr als 1.000 Patienten pro Million Einwohner auf. In Ländern von mittlerer wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit liegt dieser Wert bei etwa 500, in Ländern von schwacher Wirtschaftskraft bei circa 100 Patienten. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die wirtschaftliche Situation eines Landes maßgeblichen Einfluss auf den Zugang zur lebensrettenden Dialysebehandlung hat.
Die Zahl der Dialysepatienten stieg im Jahr 2007 weltweit um rund 6%. Zum Jahresende erhielten insgesamt 1,64 Millionen Patienten eine regelmäßige Behandlung. Davon unterzogen sich mehr als 89% der Hämodialyse; rund 11% haben sich für eine Peritonealdialyse entschieden.
Die überwiegende Mehrheit der Hämodialysepatienten wurde in einer der weltweit rund 26.500 Dialysekliniken versorgt. Im Durchschnitt kommen also 55 Hämodialysepatienten auf eine Klinik. In den USA und der Europäischen Union gibt es jeweils etwa 5.000 Dialysekliniken.
DIALYSEPATIENTEN – REGIONALE AUFTEILUNG
Davon werden in den USA circa 1%, in der Europäischen Union hingegen rund 60% von der öffentlichen Hand geführt. In Japan liegt der von privaten Nephrologen betriebene Anteil an Dialysekliniken bei etwa 80%.
Im Dialyseproduktmarkt zählen Dialysatoren, Hämodialysegeräte, Dialyselösungen sowie Produkte für die Peritonealdialyse zu den wichtigsten Produkten. Dialysatoren bilden mit Abstand die größte Produktgruppe. Das Absatzvolumen belief sich im Jahr 2007 auf rund 165 Millionen Stück. Davon hat Fresenius Medical Care im Berichtsjahr allein circa 75 Millionen Stück produziert. Dialysegeräte sind ein weiteres wichtiges Segment im Produktgeschäft. Von den etwa 55.000 Dialysegeräten, die im Jahr 2007 neu in den Markt gebracht wurden, stammen über 50% von Fresenius Medical Care. Im weltweiten Geschäft mit Dialyseprodukten liegt der Marktanteil der drei größten Hersteller bei nahezu 70%. Fresenius Medical Care kommt dabei als Marktführer auf einen Anteil von rund 30%.
Fresenius Medical Care ist auch im Dialysedienstleistungsgeschäft weltweit führend. In den USA hat das Unternehmen die Nr.1-Position bei Dialysedienstleistungen auf einen Marktanteil von circa 34% ausgebaut. Fresenius Medical Care und DaVita, der zweitgrößte Anbieter von Dialysedienstleistungen, betreiben insgesamt rund zwei Drittel aller US-amerikanischen Dialysekliniken. Außerhalb der USA ist der Markt für Dialysedienstleistungen deutlich stärker fragmentiert.
Da die Behandlungskosten in den USA vorwiegend von staatlichen Trägern erstattet werden, findet der Wettbewerb dort vor allem über die Qualität und Verfügbarkeit der Dienstleistungen statt. In den meisten anderen Ländern konkurriert Fresenius Medical Care insbesondere mit unabhängigen Einzelkliniken und Kliniken, die Krankenhäusern angegliedert sind. Terminales Nierenversagen ist eine der wenigen chronischen Erkrankungen, deren Behandlung in den USA von den staatlichen Trägern erstattet wird. Für mehr als 80 % aller US-amerikanischen Dialysepatienten stellen die beiden staatlichen Gesundheitsfürsorgeprogramme Medicare und Medicaid die medizinische Versorgung sicher. Änderungen in der Kostenerstattung oder in der Methodik der Kostenerstattung von Medicare und Medicaid haben daher eine besondere Bedeutung für unser nordamerikanisches Geschäft.
Im Geschäftsjahr 2007 sind in den USA folgende Änderungen der Kostenerstattung in Kraft getreten:
- Zum 1. April 2007 wurde der Erstattungssatz pro Dialysebehandlung der Medicare (Composite Rate) um 1,6% gegenüber dem Vorjahr angehoben.
- Die Höhe der Erstattung für separat abzurechnende Dialysemedikamente, wie Erythropoietin (EPO), ist im Berichtsjahr gesunken. Dabei dienen die durchschnittlichen Verkaufskosten (Average Sale Price – ASP) zuzüglich 6% als Basis für die Preisfestsetzung. Aufgrund eines fallenden ASP für dieses Medikament ist die Erstattung für EPO im Berichtsjahr zurückgegangen.
Im Berichtsjahr erfolgte in den USA eine umfangreiche Diskussion über die Behandlung der Blutarmut (Anämie) bei Dialysepatienten. Hierbei wird häufig der Hämoglobin-Wert gemessen, der Aufschluss über eine medizinisch adäquate Versorgung mit blutbildenden Substanzen, wie EPO, geben soll. Bei Dialysepatienten liegt die empfohlene Zielbandbreite des Hämoglobin-Wertes bei 10 bis 12 g/dl Blut; sie wurde im Laufe des Jahres auch von verschiedenen US-Behörden als angemessen erachtet.
Darüber hinaus fanden intensive Diskussionen über eine mögliche Verlängerung des sogenannten Medicare Secondary Payor (MSP) statt. Zentraler Diskussionspunkt ist dabei die Frage, ob private Krankenversicherungen die Kosten ihrer Dialysepatienten länger tragen müssen. Derzeit beträgt dieser Zeitraum 30 Monate. Danach übernehmen die staatlichen Träger die Kosten. Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2007 wurde noch keine Entscheidung getroffen, sodass sich hier keine Änderungen ergeben haben.
-
Der Markt für Infusionstherapien und
klinische Ernährung
Wesentliche Wachstumsfaktoren für diesen Markt sind der zunehmende Bedarf an medizinischer Behandlung, den eine älter werdende Gesellschaft mit sich bringt, sowie die steigende Nachfrage nach innovativen Therapien. In den Schwellenländern ist ein steigendes Volkseinkommen die Triebfeder für höhere Ausgaben im Gesundheitssektor.
Die Marktgegebenheiten für die Produkte der Infusionstherapie und der klinischen Ernährung stellen sich jedoch regional sehr unterschiedlich dar:
Die Gesundheitssysteme Mittel- und Westeuropas sind geprägt von Sparmaßnahmen und gesundheitspolitischen Reformen. In diesen Ländern gewinnen solche Therapien immer mehr an Bedeutung, die bessere klinische Ergebnisse aufweisen und zugleich die Verweildauer der Patienten in den Krankenhäusern verkürzen. Beispielsweise haben mangelernährte Patienten im Vergleich zu Patienten mit normalem Ernährungsstatus schlechtere Genesungsaussichten, was zu höheren Behandlungskosten und einer längeren Verweildauer im Krankenhaus führen kann. Daher werden ernährungstherapeutische Maßnahmen nicht nur aus gesundheitlichen, sondern auch aus ökonomischen Gründen immer wichtiger. Darüber hinaus führen der Kostendruck in den Krankenhäusern, Budgetdeckelungen und gesundheitspolitische Sparmodelle dazu, dass der Trend einer Verschiebung von stationärer zu mehr ambulanter Behandlung anhält. Deshalb sollten ambulante klinische Ernährungstherapien künftig an Bedeutung gewinnen.
In Mittel- und Westeuropa liegt das Wachstum des Gesamtmarktes für Infusionstherapien und klinische Ernährung im unteren einstelligen Prozentbereich. Das Wachstum des Marktes für intravenös verabreichte, generische Arzneimittel für das Krankenhaus bewegt sich dagegen im mittleren einstelligen Prozentbereich. Vor allem aufgrund des Kostendrucks werden immer mehr generische Arzneimittel eingesetzt. Der Ablauf des Patentschutzes für zahlreiche Originalpräparate wird dieses Wachstum weiter beschleunigen. Die erprobten patentfreien Wirkstoffe finden dann ihren Einsatz in Generikaprodukten.
Der Markt für medizintechnische Produkte im Bereich der Infusionstherapie und klinischen Ernährung wächst in Europa weiterhin im mittleren einstelligen Prozentbereich. Wachstumstreiber sind hier vor allem technologische Innovationen. Dabei stehen die Sicherheit der Behandlung und die Effizienz der Therapie im Fokus.
In den Wachstumsregionen Asien-Pazifik, Lateinamerika und in den osteuropäischen Ländern hat die Sicherung der medizinischen Basisversorgung Vorrang. Dies lässt vor allem die Nachfrage nach lebensrettenden und -erhaltenden Gesundheitsleistungen kontinuierlich steigen. In diesen Ländern liegen die Wachstumsraten in unseren Produktmärkten im hohen einstelligen bis zweistelligen Prozentbereich.
Fresenius Kabi geht nach eigenen Erhebungen davon aus, dass sich das für sie relevante Marktvolumen für Infusionslösungen und klinische Ernährung in einer Größenordnung von rund 9 Mrd € bewegt.
- Der deutsche Krankenhausmarkt
Das Gesamtvolumen der Krankenhausleistungen (ohne Forschung und Lehre) betrug im Jahr 2006 circa 65 Mrd €. Rund 63% der Kosten im Krankenhaus entfallen auf Personalaufwendungen und 37% auf Sachkosten. Die Sachkosten haben sich um 5,9% erhöht, die Personalkosten stiegen lediglich um 0,6%.
Die Zahl der Krankenhäuser, der aufgestellten Betten und die Verweildauer sinken in Deutschland kontinuierlich seit über 15 Jahren als Folge von Überkapazitäten.
| KENNZAHLEN ZUR STATIONÄREN VERSORGUNG IN DEUTSCHLAND |
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| 2006 | 2005 | Veränd. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Krankenhäuser | 2.104 | 2.139 | -1,6% | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Aufgestellte Betten | 510.767 | 523.824 | -2,5% | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Fälle (Mio) | 16,83 | 16,54 | 1,8% | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Betten je 1.000 Einwohner | 6,2 | 6,4 | -0,2 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Ø Kosten je Fall (€) * | 3.932 | 3.813 | 3,1% | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Verweildauer (Tage) | 8,5 | 8,7 | -0,2 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| * nach Bruttogesamtkosten | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Trotzdem liegt Deutschland mit 6,4 Betten je 1.000 Einwohner im Jahr 2005 immer noch weit über dem OECD-Durchschnitt von 3,9.
Die durchschnittliche Verweildauer eines Patienten in einer Akutklinik (ohne psychiatrische Fachkliniken) lag Ende 2006 in Deutschland bei 8,5 Tagen. Die HELIOS-Akutkliniken verzeichneten im Jahr 2006 eine mittlere Verweildauer von 7,1 Tagen. Dies konnte insbesondere durch besser organisierte Behandlungsabläufe erreicht werden.
Nach einem Höchststand von 17,4 Millionen stationär versorgter Fälle im Jahr 2002 waren die Fallzahlen in Deutschland in den folgenden drei Jahren rückläufig. Dies war u.a. eine Folge der Einführung der DRG-basierten Vergütung, die zu einem verstärkten Abbau von Fehlbelegungen und einer zunehmenden Anzahl ambulanter Behandlungen geführt hat. Im Jahr 2006 hat sich die Fallzahl gegenüber dem Vorjahr wieder leicht erhöht. Zwar ist aufgrund der demografischen Entwicklung einerseits mit einem Ansteigen der Fallzahlen im Bereich der Hochleistungsmedizin zu rechnen, andererseits muss weiter mit einer Verlagerung von leichteren Fällen in den ambulanten Bereich gerechnet werden. Deutschland verzeichnete 204 stationäre Krankenhausfälle pro 1.000 Einwohner im Jahr 2006. Im internationalen Vergleich ist diese Zahl deutlich geringer. So lag sie z.B. in den USA bei 117 Fällen im Jahr 2005. Auch andere Länder liegen mit Werten um 150 Fälle je 1.000 Einwohner unter dem deutschen Wert. In Deutschland ist insofern ein anhaltender Druck auf die stationären Versorgungskapazitäten zu erwarten. Die HELIOS Kliniken konnten dennoch ihre Fallzahlen steigern.
HELIOS plant, die stationäre Versorgung durch den Ausbau medizinisch komplexer, überwiegend stationär zu erbringender Leistungen und durch die Steigerung der Versorgungsqualität gerade im Bereich der Hochleistungsmedizin zu stärken.
Die steigenden Fallzahlen der HELIOS Kliniken und die Patientenumfragen zeigen, dass die gezielte, medizinisch sinnvoll strukturierte Absenkung der Verweildauer durch bessere Organisation auch von den Patienten positiv gesehen wird.
Die in Deutschland erforderlichen strukturellen Anpassungen hinsichtlich der Anzahl von Krankenhäusern und der Bettenkapazitäten gehen mit einer vielfach schwierigen finanziellen und wirtschaftlichen Situation der Kliniken einher. Wesentliche Faktoren dafür sind: Ein steigender Investitionsbedarf aufgrund erhöhter Qualitätsanforderungen sowie infolge des medizintechnischen Fortschritts eine zunehmend schärfere Wettbewerbssituation aufgrund der Vereinheitlichung der Leistungsvergütung. Der jährliche Investitionsstau wird derzeit auf rund 5 Mrd € geschätzt. Die Wettbewerbsfähigkeit der Kliniken hängt daher auch davon ab, ob sie in der Lage sind, Investitionen aus Eigenmitteln zu finanzieren. Die HELIOS Kliniken haben im Jahr 2007 149 Mio € aus Eigenmitteln zusätzlich zu den in Anspruch genommenen Fördermitteln der Länder investiert und damit ihre Wettbewerbsposition weiter verbessert.
Im Jahr 2007 musste der Klinikmarkt erhebliche Belastungen verarbeiten: die Einführung des Sanierungsbeitrags für Krankenhäuser, bei dem u.a. die Rechnungen an die gesetzlichen Krankenkassen um 0,5% gekürzt wurden, die Mehrwertsteuererhöhung, die Tariferhöhung für Klinikärzte und Mehrkosten durch das EU-Arbeitszeitgesetz. Für das Jahr 2007 wird damit gerechnet, dass nur rund 40% der Kliniken einen Jahresüberschuss erzielen werden.
Im Jahr 2007 hielt der Privatisierungstrend im deutschen Krankenhausmarkt zwar an, hat sich allerdings etwas verlangsamt.
Die Aufteilung der Krankenhausbetten nach Trägern zeigt sich im Jahr 2006 wie folgt:
Qualität bleibt ein entscheidender Wettbewerbsfaktor im
Krankenhausmarkt. In den seit dem Jahr 2005 von allen
deutschen Akutkrankenhäusern vorgelegten strukturierten
Qualitätsberichten werden Art und Anzahl der Leistungen
der Krankenhäuser sowie deren Qualität veröffentlicht. Der
Transparenz und Vergleichbarkeit der Leistungen für die
Patienten und ihre betreuenden Ärzte wird eine immer entscheidendere
Rolle zukommen.
Quellen: Statistisches Bundesamt, OECD-Gesundheitsdaten 2007, Bundesärztekammer “zunehmende Privatisierung von Krankenhäusern in Deutschland”, Krankenhaus-Barometer 2007
Einschätzung des Vorstands zur Auswirkung der gesamtwirtschaftlichen und branchenspezifischen Entwicklung auf den Geschäftsverlauf
Die Entwicklung der Weltwirtschaft und die Entwicklung unserer Branche, sowohl in den etablierten Märkten als auch in den Wachstumsmärkten, hat sich im Geschäftsjahr 2007 insgesamt positiv für Fresenius ausgewirkt. Dem ist ein wesentlicher Teil des Wachstums des Konzerns zu verdanken. Fresenius hat, getragen von der hohen Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen, insgesamt das Branchenwachstum übertroffen.
Wesentliche Ereignisse für den Geschäftsverlauf
Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurde die positive Geschäftsentwicklung
des Fresenius-Konzerns ganz entscheidend
durch die sehr gute Performance des bestehenden Geschäfts
der Unternehmensbereiche bewirkt, die sowohl beim Umsatz
als auch beim Ergebnis deutliche Steigerungen erzielen konnten.
Die Veränderung der Währungsrelationen, vor allem des
US-Dollars zum Euro, hatte im Jahresabschluss in der Währungsumrechnung
einen gewichtigen Einfluss. Ferner wurde
die Gewinn- und Verlustrechnung des Konzerns beeinflusst
durch verschiedene Akquisitionen und Desinvestitionen, teils aus dem Jahr 2006.
Hier sind vor allem zu nennen: Renal Care Group sowie der taiwanesische Dialyseanbieter Jiate Excelsior, Renal Solutions in den USA, die HUMAINE Kliniken, ferner zwei Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen und eines am Bodensee. Die Städtischen Kliniken Krefeld wurden zum 31. Dezember 2007 in der Bilanz konsolidiert. Fresenius Kabi hat das enterale Ernährungsgeschäft von Nestlé in Frankreich (Novartis Nutrition S.A.S.) und Spanien (Nestlé España) im Berichtsjahr erworben. Desinvestiert wurden das Perfusionsgeschäft der Tochtergesellschaft Fresenius Medical Care Extracorporeal Alliance sowie die Engineeringgesellschaften Pharmaplan und Pharmatec. Der Einfluss der Akquisitionen und Desinvestitionen in der Bilanz zum 31. Dezember 2007 des Fresenius-Konzerns ist jedoch nicht als wesentlich zu bezeichnen.
Beurteilung der Geschäftsentwicklung durch den Vorstand
Die wirtschaftliche Entwicklung des Fresenius-Konzerns verlief nach Überzeugung des Vorstands im Geschäftsjahr 2007 wiederum ausgezeichnet – mit Umsatz-, Ergebnis- und Margensteigerungen in allen Unternehmensbereichen. Die beiden Unternehmensbereiche Fresenius Medical Care und Fresenius Kabi konnten von einer weiterhin starken Nachfrage sowohl nach Produkten als auch nach Dienstleistungen profitieren und sich insgesamt besser als der Markt entwickeln. Dies schlug sich in einem nachhaltig hohen organischen Umsatzwachstum und höherer Profitabilität nieder. Ebenso erreichte Fresenius Helios ein sehr gutes organisches Wachstum und eine weitere Steigerung der operativen Marge. Fresenius Vamed hat das Geschäftsjahr 2007 ebenfalls, wie erwartet, mit einer guten Umsatz- und Ergebnissteigerung abschließen können.
Vergleich des tatsächlichen mit dem prognostizierten Geschäftsverlauf
Sämtliche Ziele, die sich Fresenius für das Jahr 2007 gesetzt hatte, konnten wir, wie nachfolgende Übersicht zeigt, erreichen bzw. übertreffen.
Basierend auf der sehr guten Geschäftsentwicklung in den
ersten drei Quartalen hat Fresenius Ende Oktober 2007 die
Prognosen beim Umsatz und Jahresüberschuss nochmals erhöht.
Beim prognostizierten währungsbereinigten Umsatzwachstum
von 9 bis 10% liegt Fresenius mit 10% am oberen
Ende des erwarteten Werts. Der prognostizierte währungsbereinigte
Anstieg des Jahresüberschusses von mehr als 25%
wurde mit 28% ebenfalls voll erreicht. Zu verdanken ist dies
vor allem der Tatsache, dass sich das Geschäft der Fresenius
Medical Care und der Fresenius Helios noch positiver als erwartet
entwickelte. Die Kennziffer Netto-Finanzverbindlichkeiten/EBITDA liegt unter der anvisierten Bandbreite von 2,8 bis
3,0 und betrug 2,6 am 31. Dezember 2007. Fresenius hat im
Geschäftsjahr 2007 in Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände
705 Mio € investiert und liegt damit etwas
über der vorgesehenen Bandbreite von 600 bis 700 Mio €.
| Konzern | Ziele 2007 publiziert Februar 2007 |
Zielerhöhung publiziert August 2007 |
Zielerhöhung publiziert Oktober 2007 |
Erreicht 2007 |
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| Umsatz (Wachstum, währungsbereinigt) | 8 bis 10% | 9 bis 10% | 10% | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Jahresüberschuss (Wachstum, währungsbereinigt) |
20 bis 25% | ~25% | mehr als 25% | 28% | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Investitionen |
600 bis 700 Mio € | 705 Mio € |
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| Netto-Finanzverbindlichkeiten/EBITDA | 2,8 bis 3,0 | 2,6 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||