CHANCEN- UND RISIKOBERICHT

Durch die Expansion, vor allem in internationalen Märkten, und die Komplexität und Dynamik unseres Geschäfts ist der Fresenius-Konzern naturgemäß einer Reihe von Risiken ausgesetzt. Diese Risiken sind unmittelbar mit aktivem unternehmerischem Handeln verknüpft. Die Bereitschaft, Risiken einzugehen, ist eine Voraussetzung dafür, Chancen nutzen zu können.

Als Anbieter von oftmals lebensrettenden Produkten und Dienstleistungen für schwer und chronisch kranke Menschen sind wir kaum von Konjunkturzyklen abhängig. Unsere Erfahrung sowohl in der Entwicklung und Herstellung von Produkten als auch in unseren Märkten ist eine solide Basis, um Risiken sicher einschätzen zu können. Gleichzeitig bietet das Gesundheitswesen dem Fresenius-Konzern vielfältige und nachhaltige Wachstumschancen und Expansionsmöglichkeiten, die wir auch künftig gezielt nutzen wollen.

CHANCENMANAGEMENT

Das Management von Chancen ist eine fortwährende Aufgabe unternehmerischer Tätigkeit, um den langfristigen Erfolg des Unternehmens zu sichern. Damit schaffen wir Neues, sichern und verbessern Bestehendes. Das Management von Chancen ist eng an der langfristigen Strategie und der Mittelfristplanung des Fresenius-Konzerns ausgerichtet. Durch die dezentrale, regionale Organisations- und Managementstruktur des Fresenius-Konzerns können wir frühzeitig Trends, Anforderungen und die Chancen der oftmals fragmentierten Märkte erkennen, analysieren und flexibel sowie marktnah agieren. Darüber hinaus kommunizieren und diskutieren wir kontinuierlich mit Forschergruppen und Institutionen und führen intensive Markt- sowie Wettbewerbsbeobachtungen durch, um Chancen aufzuspüren. Im Konzern können wir zudem durch stetige Kommunikation und zielgerichteten Erfahrungsaustausch der einzelnen Bereiche miteinander zusätzliche Chancen und auch Synergiepotenziale nutzen. Zukünftige Chancen, die wir für den Fresenius-Konzern sehen, sind im Prognosebericht dargestellt.

RISIKOMANAGEMENT

Ebenso wie das Chancenmanagement ist das Management von Risiken eine fortwährende Aufgabe. Die Fähigkeit, Risiken zu erfassen, zu analysieren und zu steuern, ist ein wichtiges Element solider Unternehmensführung. Das Fresenius-Risikomanagementsystem ist eng mit der Unternehmensstrategie verknüpft und basiert auf deren Vorgaben. In Kombination mit unserem internen Überwachungssystem, dem Risikocontrolling und dem daraus abgeleiteten Frühwarnsystem können wir Entwicklungen, die den Fortbestand der Gesellschaften gefährden könnten, frühzeitig erkennen und ihnen gegensteuern. In den Unternehmensbereichen des Konzerns haben wir die Verantwortlichkeiten für den Prozessablauf und die Überwachung wie folgt festgelegt:

Die Maßnahmen des Risikomanagements werden sowohl auf Konzernebene als auch in den Unternehmensbereichen durch das Risikocontrolling sowie durch ein Managementinformationssystem unterstützt. Auf Basis detaillierter monatlicher und quartalsweiser Finanzberichte werden Abweichungen der Ertrags- und Vermögenslage von den Planwerten identifiziert und analysiert. Darüber hinaus besteht neben dem Risikomanagement ein Überwachungssystem aus organisatorischen Sicherungsmaßnahmen sowie internen Kontrollen und Prüfungen. Unser Risikomanagement wird regelmäßig geprüft und gegebenenfalls angepasst, damit wir den Veränderungen der Märkte frühzeitig begegnen können; dieses System hat sich bislang bewährt.

Aus der internationalen Ausrichtung der Geschäftstätigkeit ergeben sich für den Fresenius-Konzern vielfältige Fremdwährungsrisiken. Die Finanzierung der Geschäftstätigkeit setzt den Konzern darüber hinaus verschiedenen Zinsänderungsrisiken aus. Um mögliche nachteilige Auswirkungen dieser Risiken zu begrenzen, setzen wir u.a. auch derivative Finanzinstrumente im Rahmen unseres Risikomanagements ein. Wir beschränken uns dabei jedoch auf marktgängige, außerbörslich gehandelte Instrumente, die wir ausschließlich zur Sicherung von Grundgeschäften nutzen, nicht aber zu Handels- oder Spekulationszwecken.

Der Fresenius-Konzern betreibt das Währungs- und Zinsmanagement auf der Grundlage einer vom Vorstand verabschiedeten Richtlinie, in der Ziele, Organisation und Ablauf der Risikomanagement-Prozesse festgelegt sind. Sie definiert insbesondere die Verantwortlichkeiten für die Ermittlung der Risiken, für den Abschluss von Sicherungsgeschäften und für die regelmäßige Berichterstattung über das Risikomanagement. Diese Verantwortlichkeiten sind auf die Entscheidungsstrukturen in den übrigen Geschäftsprozessen des Konzerns abgestimmt. Die Geschäfte mit derivativen Finanzinstrumenten werden, bis auf vereinzelte devisenrechtlich bedingte Ausnahmen, unter Kontrolle der zentralen Treasury-Abteilung des Fresenius-Konzerns getätigt und unterliegen strenger interner Aufsicht. So ist sichergestellt, dass der Vorstand über alle wesentlichen Risiken und über die bestehenden Sicherungsgeschäfte stets umfassend informiert ist. Die Funktionsfähigkeit und Wirksamkeit des Risikomanagementsystems sind Gegenstand der jährlichen Abschlussprüfung. Erkenntnisse, die sich dabei ergeben, werden bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung desselben berücksichtigt.

RISIKOFELDER

Die für die Geschäftstätigkeit des Fresenius-Konzerns maßgeblichen Risikofelder stellen sich wie folgt dar:  

Diese umfassen die Einhaltung aller Anforderungen und Vorschriften von der Leitung und Verwaltung über die Produktherstellung und die klinischen Dienstleistungen bis hin zur Patientenzufriedenheit. Unsere Produktionen entsprechen grundsätzlich den internationalen „Good Manufacturing Practice“-Richtlinien oder anderen anerkannten internationalen und nationalen Standards. Darüber hinaus gewährleisten auch Quality-Management- und Compliance-Programme durch schriftlich festgelegte Richtlinien, dass wir unsere Geschäfte im Einklang mit hohen ethischen Standards führen und behördliche Vorschriften einhalten. Durch interne und externe Audits wird die Rechtmäßigkeit und Effizienz unserer Geschäftsabläufe sowie die Effektivität unserer internen Kontrollsysteme regelmäßig überprüft. Möglichen Risiken bei der Inbetriebnahme neuer Produktionsstätten oder neuer Technologien begegnen wir durch sorgfältige Projektplanung und durch regelmäßige Analyse und Überprüfung der Projektfortschritte.
In unseren Krankenhäusern und Fachkliniken erbringen wir medizinische Leistungen an Patienten, die grundsätzlich Risiken unterliegen; gleichzeitig können Betriebsrisiken entstehen, z.B. durch die hohen Anforderungen an Hygiene und Sterilität. Diesen Risiken begegnen wir durch eine strukturierte Ablauforganisation, kontinuierliche Mitarbeiterschulungen und eine an den Bedürfnissen der Patienten ausgerichteten Arbeitsweise.
Weitere Risiken können sich sowohl durch zunehmenden Preisdruck auf unsere Produkte als auch auf der Beschaffungsseite durch Preiserhöhungen ergeben. So könnten z.B. in den USA Änderungen in den Richtlinien zur Erstattung von Erythropoietin (EPO) oder eine geänderte Verabreichung die Umsatzerlöse und das Ergebnis von Fresenius erheblich beeinträchtigen. EPO ist ein Hormon, das die Produktion roter Blutkörperchen anregt und das in der Dialyse eingesetzt wird. Eine Lieferunterbrechung oder schlechtere Einkaufsbedingungen für EPO könnten außerdem die Umsätze verringern bzw. die Aufwendungen von Fresenius wesentlich erhöhen. Fresenius Medical Care hat mit Amgen einen Vertrag über die Lieferung von EPO in den USA und Puerto Rico abgeschlossen. Amgen ist der alleinige Anbieter von EPO in den USA. Der Vertrag hat eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2011. Erstattungen und Umsatzerlöse aus der Verabreichung von EPO trugen im Geschäftsjahr 2007 ca. 8% zum Umsatz des Fresenius-Konzerns bei.
Risiken im Beschaffungssektor, die sich hauptsächlich auf mögliche Preissteigerungen beziehen, begegnen wir durch eine entsprechende Auswahl und Kooperation mit unseren Lieferanten, durch längerfristige Rahmenverträge in bestimmten Einkaufssegmenten sowie durch Bündelung der zu beschaffenden Mengen im Konzern.
Den mit dem Engineering- und Krankenhaus-Dienstleistungsgeschäft verbundenen Risiken begegnen wir mit professioneller Projektsteuerung, kompetentem Projektmanagement und mit einem ausgereiften und der jeweiligen Geschäftstätigkeit angepassten System zur Erkennung, Bewertung und Minimierung dieser Risiken. Dies besteht aus organisatorischen Maßnahmen (u.a. Standards für Risikokalkulation in der Angebotserstellung, Risk Assessment vor Auftragsannahme, laufendes Projektcontrolling und laufend aktualisierter Risikobewertung), Qualitätssicherungsmaßnahmen und finanztechnischen Maßnahmen (u.a. Bonitätsprüfungen, Sicherung der Zahlungen durch Vorauszahlungen, Letters of Credit und abgesicherte Kredite).

Nachdem der endgültige W.R.Grace & Co. Reorganisations- und Sanierungsplan bestätigt worden ist, wird Fresenius Medical Care gemäß der Vergleichsvereinbarung insgesamt 115 Mio US$ ohne Zinsen an die W.R.Grace & Co.-Konkursmasse bzw. an eine andere vom Gericht festgelegte Stelle zahlen. Die Vergleichsvereinbarung wurde vom zuständigen Gericht genehmigt. Auch die noch außergerichtlich geltend gemachten Forderungen von einigen privaten US-Krankenversicherern wurden durch einen Vergleich abgewickelt. Damit sind nunmehr – vorbehaltlich der Bestätigung des W.R.Grace & Co. Reorganisations- und Sanierungsplans – alle aus der Zeit der NMC-Transaktion stammenden Rechtsangelegenheiten endgültig abgeschlossen.

Im Oktober 2004 haben die Fresenius Medical Care Holdings, Inc. (FMCH) und ihre Tochtergesellschaften, einschließlich Renal Care Group (RCG; vor der Akquisition von RCG), Vorladungen der US-Justizbehörden des Eastern District von New York erhalten. Dabei werden umfangreiche Unterlagen zu den geschäftlichen Tätigkeiten der Unternehmen angefordert, insbesondere zu einem bestimmten Hormontest und zu Vitamin-D-Therapien.

Ferner haben die FMCH und ihre Tochtergesellschaften, einschließlich RCG (vor der Akquisition durch Fresenius Medical Care), im April 2005 (RCG im August 2005) eine Vorladung der US-Justizbehörden mit Sitz in St. Louis, Missouri, erhalten, die im Zusammenhang mit zivil- und strafrechtlichen Voruntersuchungen steht. Mit der Vorladung werden Geschäftsunterlagen angefordert über klinische Qualitätsprogramme, Aktivitäten zur Geschäftsentwicklung, Vergütungen für Klinikleiter und Beziehungen zu Ärzten, Jointventures und Anämie-Behandlungstherapien, RCG’s Lieferunternehmen, pharmazeutische und sonstige Dienstleistungen, die RCG gegenüber Patienten erbracht hat, RCG’s Beziehungen zu Unternehmen der pharmazeutischen Industrie und RCG’s Erwerb von Dialysegeräten von FMCH. Der Generalinspektor des US-Gesundheitsamtes sowie die Staatsanwaltschaft für das Eastern District von Texas haben bestätigt, dass sie sich an der Überprüfung des Anämiemanagement-Programms beteiligen.

Im Juli 2007 hat die US-Staatsanwaltschaft eine Zivilklage gegen RCG und FMCH in ihrer Eigenschaft als derzeitige Muttergesellschaft der RCG vor dem US-Bezirksgericht für das Eastern District von Missouri erhoben. Mit der Klage werden Schadensersatzansprüche und Strafmaßnahmen im Hinblick auf die Geschäftstätigkeit der Method-II-Zulieferungsgesellschaft von RCG im Jahr 2005 vor dem Erwerb von RCG durch FMCH geltend gemacht.

Im August 2007 hat der Sheet Metal Workers National Pensions Fund eine Klage vor dem Bezirksgericht von Kalifornien eingereicht, in der behauptet wird, dass Amgen, Inc., Fresenius Medical Care und DaVita, Inc. Amgen’s Produkte Epogen und Aranesp gegenüber Hämodialysepatienten für nicht von der FDA zugelassene Anwendungen beworben haben. Hierdurch sollen gesetzliche Versicherer unnötige Verschreibungen für diese Produkte bezahlt haben. Es wurden Anträge eingereicht, die darauf gerichtet sind, dieses Verfahren mit anderen Verfahren, die sich allein gegen Amgen richten, zu einem einheitlichen Verfahren zusammenzulegen. Dies könnte unter Anwendung der Bundesvorschriften betreffend distriktübergreifende Rechtsstreitigkeiten geschehen.

Zu Einzelheiten verweisen wir auf den Anhang.

Darüber hinaus ist der Fresenius-Konzern in verschiedene Rechtsstreitigkeiten involviert, die sich aus der Geschäftstätigkeit ergeben. Auch wenn es nicht möglich ist, den Ausgang dieser Streitigkeiten vorherzusagen, erwarten wir aus den heute anhängigen Verfahren keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage.

BEURTEILUNG DER GESAMTRISIKOSITUATION

Grundlage der Einschätzung des Gesamtrisikos ist das von Fresenius eingesetzte Risikomanagementsystem, das seinerseits vom Management regelmäßig überprüft wird. Zu den potenziellen Risiken von Fresenius gehören zum einen die nicht von ihr unmittelbar beeinflussbaren Faktoren wie die allgemeine Entwicklung der nationalen und globalen Wirtschaftslage, die Fresenius regelmäßig analysiert, und zum anderen von ihr unmittelbar beeinflussbare, zumeist operative Risiken, die die Gesellschaft frühzeitig antizipiert und gegen die sie, falls notwendig, Maßnahmen einleitet. Zum jetzigen Zeitpunkt sind keine dieser Risiken für die zukünftige Entwicklung erkennbar, die zu einer dauerhaften und wesentlich negativen Beeinträchtigung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Fresenius-Konzerns führen könnten. Organisatorisch haben wir alle Voraussetzungen geschaffen, um frühzeitig über mögliche Risikosituationen informiert zu sein.

RATING DES UNTERNEHMENS

Die Kreditwürdigkeit von Fresenius wird von den beiden führenden Rating-Agenturen Moody´s und Standard & Poor´s bewertet und regelmäßig überprüft. Standard & Poor´s stuft die Fresenius SE mit BB und Moody’s mit Ba2 ein. Die Rating-Agentur Standard & Poor´s hat im Geschäftsjahr 2007 den Ausblick für das Rating von „negativ“ auf „stabil“ geändert. Moody’s hat den Ausblick von „stabil“ auf „positiv“ angepasst. Die Agenturen bewerten Fresenius wie folgt:

RATING DER FRESENIUS SE
  Rating Ausblick
 
Standard & Poor’s BB stabil
Moody’s Ba2 positiv
 
 

Die aktuellen Ratings und der verbesserte Ausblick werden von den Rating-Agenturen u.a. mit verbesserten Finanzkennzahlen sowie mit der erfolgreichen Integration der Akquisitionen der Renal Care Group und der HELIOS Kliniken begründet. Ferner beruhen die Ratingentscheidungen auf der Erwartung, dass Fresenius die positive Ertragsentwicklung fortsetzen kann und auch künftig in der Lage ist, stabile Cashflows zu generieren.